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Max-Bill-Schule Berlin


Mit diesem Workshop für Auszubildende des Tischlerhandwerks erprobt die Max-Bill-Schule in Berlin Weissensee ein gemeinsam mit studio michael hilgers entwickeltes neuartiges Format der praxisnahen Wissens- bzw. Fähigkeitsvermittlung.


Am Ende einer dreijährigen Berufsausbildung steht das traditionelle Gesellenstück: Im Rahmen von bestimmten Vorgaben der Handwerkskammer muß (bzw. darf) der/die Auszubildende ein Möbel selbst entwerfen, konstruieren und eigenhändig fertigen: Hiermit hat der/die angehende Tischler*in erstmalig die Möglichkeit, seine/ihre handwerklichen und gestalterischen Fähigkeiten öffentlich unter Beweis zu stellen.


Ich persönlich empfinde es als einen absoluten Glücksfall, dass junge Tischler*innen im deutschsprachigen Raum das weltweit einzigartige Privileg genießen, anhand eines eigenhändig entwickelten Möbels zeigen zu können, "was sie drauf haben"- denn erfahrungsgemäß kann dies ein wichtiger Meilenstein in der beruflichen- aber auch persönlichen Entwicklung sein.


Erstaunlicherweise spielt jedoch die Disziplin Gestaltung in diesem wunderbaren gestaltenden Handwerk nach wie vor bundesweit in den Lehrplänen eine absolut untergeordnete Rolle; die Vermittlung gestalterischer Grundkenntnisse- vor allem jedoch die in dieser dynamischen Lebensphase mitunter hilfreiche Unterstützung bei der Ideenfindung kommt leider häufig zu kurz.


Das Fach "Entwerfen" ist in den meisten Lehrplänen wenn überhaupt lediglich rudimentär vorhanden- und das, obwohl doch nachweislich ein guter Entwurf die Basis ist, um ein Projekt glücklich und für alle zufriedenstellend zum Abschluss zu bringen. Oder um es anders zu formulieren: Es ist häufig die erste Idee, die erste Skizze, die uns auf den richtigen (oder auch falschen) Weg bringt.


Hier setzt das von mir entwickelte Workshop-Format mit dem Arbeitstitel "Gesellenstück. Zum Glück" an: In drei Modulen werden nicht einfach nur im Frontalunterricht die obligatorischen gestaltungstheoretischen Ansätze vermittelt. Vielmehr wird der/die Auszubildende aktiv gefordert, sich bewusst mit ersten Entwurfsansätzen intensiv und verantwortungsvoll auseinanderzusetzen und diese während des fortschreitenden Entwicklungsprozesses fortlaufend in Bild und Wort vor der Gruppe zu präsentieren.


Die Skizze spielt bei der Ideenentwicklung, Visualisierung und abschliessenden Präsentation als wichtiges Medium der Kommunikation eine Schlüsselrolle: Die im Workshop erworbenen Grundfertigkeiten werden sich im sprichwörtlichen Sinne perspektivisch auch im späteren (Berufs)leben als hilfreich erweisen.


Als einfacher theoretischer und vor allem hilfreicher Unterbau für die Ideenfindung werden im Workshop die grundsätzlichen Tools des pragmatic design ® Prozesses vorgestellt. Diese "Hands-on" Werkzeuge können den Azubis dabei helfen, eine unvoreingenommene Perspektive auf die zu gestaltende Aufgabe zu erlangen und so freiere, kreativere Entwurfsansätze zu entwickeln.